Ein bisschen Sudern gehört dazu!

Warum wir dem "Sudern" ein wenig Raum geben dürfen, ohne dass es uns selber gleich platt macht.

Ein Plädoyer für den Volkssport vieler Landsleute.

Für Jammern und Lamentieren gibt es in Österreich das umgangssprachliche Wort Sudern. Dies bezeichnet die Haltung, den Tonfall und den Inhalt, wenn über etwas Bestimmtes geredet wird.

Viele dieser Themen haben einen bestimmten Unterton und auch ein bestimmtes Tempo. Es ist eine Mischung zwischen Beschwerde (auf österreichisch “Raunzen”), Ablehnung, manchmal Ironie, gepaart mit dem Schuss “von oben herab” das Ganze zu kommentieren.
Leider kann es sein, dass Führungskräfte manche Themen immer wieder zu hören bekommen und man den Eindruck hat - “täglich grüßt das Murmeltier”.
In Ausnahmefällen gibt es tatsächlich auch Abteilungen (Organisationen, Städte ...) die sich diese „Art des Austausches“ als Standardkommunikationsmittel zugelegt haben. Man erlebt, dass über „alles“ und eigentlich „immer“ gesudert wird.

Wie soll ich nun als Führungskraft mit so etwas umgehen?
Ich denke, es gilt das Prinzip: Ein wenig “Sudern” gehört dazu – verbunden mit ein paar zusätzlichen Bemerkungen.

Die erste Frage ist: Springt die Energie, die mir der oder die “Suderant:in” zeigt und vermittelt, auf mich als Führungskraft über? Stimme ich mit ein oder beginne ich über die Suderer zu sudern? Dies ist die erste große Gefahr. Das Thema ist zwar ein anderes, die Art und der Inhalt aber oft dasselbe.

Die zweite Frage ist: Schaffe ich es, da zu sein und auch wirklich zuzuhören? Nicht mit einer Bewertung oder sogar einer Abwertung, sondern möglichst neutral und offen. Ich muss das Ganze nicht verstehen, ich muss es auch nicht gutheißen, sondern kann ich die Wahrnehmung der Person einfach stehen lassen und sie mir anhören? In der Fachsprache heißt so etwas „Aktives Zuhören“.

Die dritte Frage ist: Habe ich bei so einer Situation mein Appellohr* offen und bin schon im Lösen, mache mir meine Gedanken und habe verschiedenste Fantasien, vielleicht auch Sorgen, oder kläre ich ab, was die Person nun tatsächlich mit dem, was sie mir erzählt hat, auslösen möchte? D. h. kläre ich, was die Person nun tatsächlich von mir will.

Die vierte Frage ist: kann ich jemand aus dieser Haltung durch gezielte Fragen herausführen? Und traue ich mir auch ganz klar STOP zu sagen, wenn es mir reicht oder die Schleife rigid ist.

*Die vier Ohren einer Nachricht: Schulz von Thun 

Bild erstellt mit ChatGPT – Ich habe der KI vorgesudert was für Probleme ich mit den Bildern habe 😉