Serie Mythen: Eine Führungskraft darf keine Schwäche zeigen

Gut ist was hart macht. Man muss sich nur durchsetzen, dann wird das schon. Wer nachgibt hat verloren. Nur keine Fehler zugeben!

Diese Annahmen höre ich immer wieder. Und er passt gut zu einem Mythos, der sich hartnäckig hält:
Als Führungskraft musst du immer sicher wirken. Keine Zweifel. Keine Unsicherheit. Keine Fehler.
Klingt gut. Funktioniert nur selten.

Führung bedeutet entscheiden. Oft schnell. Oft unter Zeitdruck. Und oft mit Auswirkungen, die man in dem Moment noch gar nicht vollständig überblicken kann. Natürlich kommt es vor, dass man unsicher ist.
Natürlich trifft man Entscheidungen, die man später revidieren muss.
Die Frage ist nur: Was mache ich dann damit?

Ich erlebe immer wieder Führungskräfte, die glauben, genau hier dürfe nichts sichtbar werden. Kein Zögern. Kein Eingeständnis. Kein „Da habe ich mich falsch entschieden.“
Also wird durchgezogen.
Oft länger, als es sinnvoll ist.

Wenn Durchziehen zur eigentlichen Schwäche wird
Das Spannende ist: Das Umfeld merkt es ohnehin.
Unsicherheit. Zweifel. Überforderung.
All das ist viel sichtbarer, als man glaubt. Und genau hier kippt die Wirkung.
Nicht das Eingeständnis wird als Schwäche wahrgenommen – sondern das krampfhafte Festhalten.

Ich habe es oft genau umgekehrt erlebt: Es braucht mehr Stärke, einen eingeschlagenen Weg zu verlassen, als ihn auf Biegen und Brechen weiterzugehen.
Zu sagen:

  • „Da habe ich mich falsch entschieden.“ 
  • „Ich bin mir gerade nicht sicher.“ 
  • „Wir müssen das neu bewerten.“ 
    Das schafft Klarheit. Und oft auch Vertrauen.

Das Resümee:
Führung heißt nicht, immer recht zu haben.
Führung heißt, mit Realität umgehen zu können.
Dazu gehört:

  • dazuzulernen  
  • Dinge zu verändern 
  • und manchmal auch Unsicherheit zu zeigen 
    Nicht als Ausrede. Sondern als ehrliche Standortbestimmung.

Stärke zeigt sich nicht im Durchziehen. Sondern im rechtzeitigen Kurswechsel.

Bild: Sattlberger – auch selber gezeichnet 😉