Ich erlebe es in meinem Beruf immer wieder: Vielfach wird angenommen, dass du für Führung eine genetische Voraussetzung oder einfach „das Zeug“ mitbringen musst – oder eben nicht. Ganz ehrlich? Ich halte das für Humbug, oder wie wir in Österreich sagen: für einen Blödsinn.
In meiner Laufbahn habe ich genug Führungskräfte kennengelernt, die von sich geglaubt haben, dass sie es „einfach können“. Ihre Mitarbeiter:innen und auch ich haben das jedoch oft ganz anders wahrgenommen. Ich erlebe noch immer – selbst auf der Top-Ebene von Unternehmen – Personen, die keinen blassen Tau von Führung haben.
Wenn es darum geht, konkrete Maßnahmen zu setzen, ein Gespräch in einer angespannten Situation zu führen oder eine komplexere Intervention zu planen, merkt man schnell, wie dünn die Luft in Bezug auf das angestrebte Ziel wird. Dann folgen oft flache, sehr allgemein gehaltene oder wenig ergebnisorientierte Vorschläge.
Eines der größten Probleme ist die Annahme, dass “man” diese Fähigkeit einfach „besitzt“. Leider führt diese Einstellung dazu, dass man sich keine Zeit nimmt, Führungsqualitäten gezielt zu entwickeln oder auszubilden. Da das Talent ja scheinbar ohnehin vorhanden ist, glaubt man, man müsse es nur „einschalten“.
Doch Führung musst du wie einen Beruf erlernen, trainieren und entwickeln. Das braucht Zeit, die richtigen Inhalte, ehrliches Feedback und vieles mehr. Natürlich gibt es Menschen, die mit einem guten Grundtalent ausgestattet sind. Ich halte es hier jedoch wie im Sport: Talent ist eine sehr gute Basis. Aber erst das konsequente Training und die gezielte Beschäftigung mit der Materie machen dich zum Meister oder zur Meisterin.
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